"Fake News" sind das Wort des Jahres, meint die Redaktion des renommierten "Collins English Dictionary".

4. November 2017

Das Kingdom of Fife, aus dem wir gerade nach Deutschland zurückkehren, ist eine im Vergleich zu den Highlands beinahe liebliche Region Schottlands: Pittoreske Fischerdörfer und ausgedehnte Strände entlang der Nordseeküste, stattliche Landsitze, eine sehr produktive Agrarwirtschaft und eine erstaunliche Vielzahl von Golfplätzen prägen diesen Landstrich. Die allerdings sehr bewegte Vergangenheit des Kingdom of Fife nutzte Shakespeare als Vorlage für sein Drama Macbeth, in dem Gewalt in Wahnsinn endet.

Ein tragischer, getriebener Charakter unserer Zeit ist - seit er vor einem Jahr die Präsidentschaftswahlen in den USA gewann - weltweit omnipräsent. Doch während unserer Ausflüge und Fahrten über Fifes schmale Landstraßen genossen wir die schönen "views" und verschwendeten keinen Gedanken an Donald Trump und sein merkwürdiges Politikverständnis ... bis wir im Autoradio die Meldung hörten, dass Trumps Lieblingsschimpfwort "fake news" vom Collins English Dictionary zum Wort des Jahres 2017 gewählt worden ist. Die Redaktion des Nachschlagewerks, das zu den führenden in Großbritannien zählt, begründet ihre Entscheidung damit, dass die Häufigkeit des Gebrauchs von "fake news" im Vergleich zu 2016 um insgesamt 365 Prozent gestiegen ist.

Thank you, Mr. President. Ihre pauschale Herabwürdigung trifft einen Berufsstand, dem ich auch angehöre. Politik ist nicht mein Ressort, doch ich habe größte Hochachtung vor Journalisten, die politische Prozesse und Entscheidungen verständlich erklären, hinterfragen, analysieren und kommentieren. Das gehört zu den Kernaufgaben des Journalismus. Jede Berichterstattung und jeden Kommentar, die nicht den eigenen Vorstellungen und Intentionen entsprechen, als fake news zu verunglimpfen, ist eine schmutzige Waffe in der verbalen Auseinandersetzung. Die seriösen Medien reagieren darauf, indem sie soweit wie möglich ihre Informationsquellen und Recherchewege offenlegen. Bleibt zu hoffen, dass es so gelingt, das von Trump & Co mutwillig beschädigte Vertrauen in die "vierte Gewalt" zurückzugewinnen.

Derweil sind kleine Momente der Rache umso süßer: Am Recycling Point von Anstruther, der praktischerweise direkt neben dem Supermarkt liegt, suche ich vergeblich nach einem Container für Elektroschrott, um die ausgediente Kühlunterlage unseres alten Laptops zu entsorgen. Als ich mich fragend an den aufsichthabenden Mitarbeiter des Recycling Points wende, deutet er auf den Container für Kunststoff und Plastik: "Stuff it into the orange one". Im nächsten Moment fangen wir beide schallend an zu lachen. Denn: "The orange one" ist der Spitzname, den John Cleese (Monty Python) dem amtierenden Präsidenten verpasst hat.

 "You know, only with the help of this cooling device I could write a lot of news and articles", erkläre ich dem freundlichen Mitarbeiter. Er nimmt mir das Kunststoffteil ab und schiebt es in die Öffnung des Containers. Es klemmt ein wenig, er ruckelt und drückt kräftig. Als die schwarze Platte endlich scheppernd im Container verschwindet, fragt mich der Mann: "Luv', what kind of stuff are you writing? Looks like the orange one doesn't like this bite. Might rumble in his tummy, eh?" Wohl kaum, dennoch lässt die Vorstellung uns beide wölfisch grinsen.