„Ein schwerer Schock!“ Verteidigungsministerin Ursula von der Leyens Antwort auf die Frage, was der Sieg Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen in ihr auslöst, entspricht sicherlich dem, was Menschen auf der ganzen Welt jetzt – nach deutscher Zeit am Morgen des 9. November 2016 – empfinden.

Was ist schlimmer? Dass „ein Populist, der platt die niedrigsten menschlichen Instinkte anspricht“ – so EU-Parlamentspräsident Martin Schulz – nun tatsächlich Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird? Schulz hofft darauf, dass „das politische und institutionelle System der USA stark genug ist, auch einen Donald Trump als Präsidenten einzurahmen.“ Allemal wird dies eine harte Bewährungsprobe für die Wirksamkeit der „checks and balances“.

Aber liegt nicht die viel größere Gefahr in den immer scharfkantigeren Verwerfungen und Rissen, die nicht nur die amerikanische Gesellschaft durchziehen, sondern ebenso hierzulande und in vielen anderen Ländern zu spüren sind? „Auch wir haben im Innern Europas Leute wie Trump“, stellt Schulz klar und bezieht sich damit auf die begeisterten Glückwunsch-Botschaften von Rechtspopulisten wie Geert Wilders und Marine Le Pen an den Wahlsieger.
Hass und Abgrenzung, um sich der eigenen Identität zu versichern – das ist ein Pakt mit dem Teufel, aber sicher keine tragfähige Grundlage für eine lebenswerte Zukunft in der globalisierten Welt. Dafür braucht es einen gesellschaftlichen Grundkonsens, eine Identität, die auf Vielfalt und gegenseitigem Respekt basiert. Das ist die eigentliche Herausforderung an uns alle! Bleibt die Hoffnung, dass der Kinnhaken, den Trump mit seinem Wahlsieg den Demokratenauf der ganzen Welt verpasst hat, sich als unbeabsichtigter Weckruf bürgerlicher und politischer Courage erweist.